Reviews
Gwyn Ashton
Two-Man Blues Army
Cadiz Music
Filigran & furios im Rausch
Einen stärker von Rory Gallagher beeinflussten Gitarristen als den Australier Gwyn Ashton wird man kaum finden. Das ist in der Welt des Bluesrock hinlänglich bekannt und auf seinem hervorragenden letzten Studiowerk Prohibition (2007) besonders eindrücklich belegt. Damals ließ sich der begnadete Slide-Gitarrist von Chris Glen und Ted McKenna im Trio begleiten (beides Mitglieder der Sensational Alex Harvey Band).
Heute hat der gebürtige Waliser ganz andere Flausen im Kopf. Two-Man Blues Army heißt sein fünftes Album - und genau danach klingt es auch. Aus dem fulminanten Power-Trio ist ein Power-Duo geworden; Ashtons einziger Mitstreiter ist derzeit Schlagzeuger Dave Small. Wie gut harscher, von Slide-Gitarren dominierter Blues auch ohne die Kraft unterstützender Bassläufe funktionieren kann, hat in den fünfziger Jahren bereits der unnachahmliche Hound Dog Taylor mit seiner sagenhaft kompromisslosen Mini-Band demonstriert: ein Vorreiter, der unüberhörbare Spuren auf Two-Man Blues Army hinterlassen hat — wenngleich Ashtons Musik freilich um einiges filigraner geraten ist.
Nach dem stürmischen Instrumental-Auftakt ›Meltdown At The Ho‹ geht es im schwer groovenden ›Break‹ und im ›Million Dollar Blues‹ (hat etwas von Michael Katon) geradezu songdienlich weiter. Robert Johnsons ›Cross Road Blues‹ wird in bester Billy-Gibbons-Manier komplett umgekrempelt und von einem furiosen Solo der Mundharmonika verziert, ›Mad Dog‹ kratzt wild an der Tür zum Blues-Punk, und in ›Ain’t Nobody’s Fool‹ oder im ›Outside Woman Blues‹ (im Original von Blind Willie Reynolds) schimmern immer wieder Jimi Hendrix und Johnny Winter durch.
Two-Man Blues Army ist ein famoses Garage-Bluesrock-Album eines famosen Gitarristen geworden, das stärker nach einem fühlbaren Live-Rausch klingt, als es heute viele Konzerte tun. Effektiver und packender kann Musik mit Lo-Fi-Ansatz nicht funktionieren.
