Reviews

Mastedon

3

Frontiers Records

Edel-Pomp von Elefante

19 Jahre nach Lofcaudio reaktiviert John Elefante seine Gelegenheits-Formation Mastedon — und verzaubert mit zeitlos-schönem Melodic-Rock in der Schnittmenge früher Boston (›Nowhere Without Your Love‹, ›Lying‹) und Kansas, denen er zwischen 1981 und 1984 als Sänger vorstand: Insbesondere der symphonisch-edle Zehnminüter ›One Day Down By The Lake‹ erinnert an das Frühwerk der amerikanischen Pomp-Rocker — Kansas-Gitarrist Kerry Livgren ist hier als Gast-Musiker zu hören. Mit traumhaft schönen Melodien, wunderbaren Gesangsharmonien und einem Instrumentarium, das stets mit einem Fuß auf vertrautem Kansas-Territorium verweilt: Extrem empfehlenswert — daran ändert auch die verzichtbare Neu-Interpretation von ›Dust In The Wind‹ nichts.

5
23.12.2009, Daniel Böhm
5
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The Brew

A Million Dead Stars

Jazzhaus

Briten im Höhenflug

Nichts auf diesem Album erinnert an die Unsicherheiten, die das in Eigenregie umgesetzte Vorgängerwerk The Joker vereinzelt offenbarte. Zum einen liegt dies daran, dass der junge Gitarrist Jason Barwick inzwischen auch die Rolle des Sängers übernommen hat und eine ziemlich gute Figur dabei abgibt. Zum anderen hat es der dauerhaft tourenden Gruppe merklich gut getan, in einem professionellen Studio aufzunehmen und sich dabei von einem richtigen Produzenten vorteilhaft inszenieren zu lassen (Chris West betreute unter anderem Aufnahmen von Uriah Heep und Status Quo) — auch wenn A Million Dead Stars als Konserve nicht ganz an die überwältigende Intensität ihrer Konzerte heranreicht. Extrem hörenswert und wertvoll ist dieses Album aber dennoch: Das Power-Trio bricht immer wieder auf zu ausgedehnten Vergnügungstrips in die psychedelischen Winkel der Classic-Rock-Welt und errichtet sich auf dem Fundament von Einflüssen wie Jimi Hendrix, Robin Trower und Led Zeppelin eine eigene, völlig unprätentiöse Identität. Diese entwickelt besonders immer dann gehörigen Drive, wenn The Brew (wie bei ihren Konzerten) für kurze Zeit ihre Songs loslassen, sich dem Groove hingeben und einfach nur spielen: Getragen von einem fiebrigem Schlagzeug und garniert von intensiven Gitarrenausbrüchen, von denen man schwer genug bekommen kann. Anspieltipps: ›A Million Dead Stars‹, ›KAM‹, das leicht an Mother Lovebone erinnernde ›Mave The Rave‹ und ›Every Gig Has A Neighbour‹.

4
10.02.2010, Daniel Böhm
5
Durchschnittliche Leserwertung

Last Autumn’s Dream

A Touch Of Heaven

Escape

Auf der Suche nach Beständigkeit

Der Selbstmord von Marcel Jacob im vergangenen Jahr hat die Mitglieder seiner Formation Last Autumn’s Dream hart getroffen. Sechs überwiegend gute Melodic-Rock-Scheiben hatte die Gruppe bis dahin in wechselnden Besetzungen veröffentlicht — nun soll Bass-Neuling Nalley Pahlsson (Treat) den Schweden jenes Stück Beständigkeit bringen, das ihnen bislang in ihrer Karriere immer fehlte. Abgesehen von einem fantastischen Bass-Solo von Marcel Jacobs aus dem Archiv bleibt A Touch Of Heaven frei von Überraschungen und Adrenalin-Kicks: Das hohe Niveau ihrer älteren Lieder bleibt unerreicht. Zudem tragen sie mit der Wizzard-Interpretation ›See My Baby Jive‹ und dem Cheap-Trick-Evergreen ›Surrender‹ mindestens eine Cover-Version zu viel im Gepäck. Okay, im Grunde aber kaum mehr als Genre-Durchschnittskost.

3
22.04.2010, Stephan Ullrich
0
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H.E.A.T.

Address The Nation

Ear Music

Feuer unterm Hintern

Gleich mit ihrem selbstbetitelten Debüt setzten die jungen Schweden H.E.A.T im Jahr 2008 ein dickes Ausrufezeichen in der europäischen Hardrock- und AOR-Szene. Mit erstaunlicher Abgebrühtheit und kompositorischer Reife transportierten sie den Geist von Foreigner, Europe und Giant aus den Spätachtzigern in die Gegenwart. Nach dem Zweitwerk Freedom Rock (stilistisch variierter, aber nicht ganz so mitreißend) stieg überraschend Sänger Kenny Leckremo aus. Als Ersatz verpflichtete die Combo einen gewissen Erik Grönwall, der 2009 die Talentshow Swedish Idol gewonnen hatte. Eine Entscheidung, die auf den ersten Blick seltsam anmutete, zumal der 24-Jährige mit seinem Milchbubi-Gesicht optisch eher zu einer Boygroup passen würde. Doch zum einen zählt Grönwall zu seinen Favoriten Gruppen wie Queen, Kiss und Skid Row, zum anderen erweist er sich stimmlich als Glücksgriff.
Überhaupt ist das neue Album ein Volltreffer geworden: H.E.A.T klingen immer noch wie H.E.A.T und haben zudem so viel Feuer unterm Hintern wie nie. Näher als in ›Breakin’ The Silence‹ mit seinem mächtigen Kehrreim und den wuchtigen Gang-Vocals waren sie noch nicht am breitbeinigen Arena-Hardrock der Mittachtziger dran. Auch anderswo offenbaren die Burschen um Gitarren-Ass Eric Rivers ihre Liebe für eine Kapelle wie Bon Jovi erstmals deutlich: Die Keyboard-Licks in ›Downtown‹ erinnern an deren ›Only Lonely‹; noch offenkundiger — nicht zuletzt dank Grönwalls Gesangsphrasierung — schielt ›Heartbreaker‹ in Richtung New Jersey. ›In And Out Of Trouble‹? Davon träumen Mick Jones & Co. gemeinsam mit ihren Anhängern schon seit gefühlten hundert Jahren.
Die Qualität von H.E.A.T besteht darin, ihre zur Schau getragenen Einflüsse in eigene, nicht weniger zündende Ideen münden zu lassen, die eine aufrichtige und ansteckende Begeisterung für ihr Tun ausstrahlen und unmissverständlich klar machen: Das hier ist kein miefiges Studio-Projekt, sondern eine richtige Band mit vitalem Herzschlag!

Im Vergleich zu den beiden Vorgängern, die jeweils dreizehn Lieder enthielten, hat die Band inzwischen auch die Kunst des Verzichtens erlernt: Nur zehn Songs mit knapp vierzig Minuten Spielzeit bietet Address The Nation — aber da ist alles drin, was das Herz begehrt, und keine Sekunde vergeudet.

5
20.04.2012, Alexander Kolbe
5
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The Crystal Caravan

Against The Rising Tide

Transubstans

Retro-Tour durch Saigon

Der Opener ›We Always Lose‹ kann sich unmöglich auf die Band selbst beziehen, denn mit Against The Rising Tide können The Crystal Caravan nur gewinnen. Haben die Schweden bereits in Gestalt ihres selbstbetitelten Erstlings vor rund zwei Jahren einen ordentlichen Langspieler abgeliefert, so gelingt dem Septett mit seinem Zweitwerk der nächste Schritt hin zum Erfolg. Songs wie ›Love And Direction‹, ›Focus‹ oder ›Wrecking Ball‹ sind im Mutterboden der späten Sechziger verwurzelt, authentisch dargeboten und mit einem wunderbar warmen Sound ausgestattet. Dabei sind die verwendeten Elemente ganz sicher nicht neu. Vieles davon erinnert an die Doors oder Grand Funk Railroad. Kein Problem. Vor dem geistigen Auge sieht man Robin Williams noch einmal »Good Morning, Vietman« ins Mikro rufen und weiß spätestens jetzt, dass man im richtigen Film ist. Against The Rising Tide rockt, hat Seele und lädt zum Träumen ein. Mehr kann man von einem Album nicht verlangen.

5
15.04.2011, Peter Engelking
5
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Audrey Horne

Audrey Horne

Indie Recordings

Kunstvolle Epen mit Siebziger-Seele

Neustart bei den Norwegern aus Bergen: Audrey Horne verabschieden sich von den Alternative-Klängen ihrer ersten beiden Platten und setzen mit dem dritten Dreher voll und ganz auf Classic-Rock im Stil von Rainbow, Black Sabbath, King Crimson, aufgepeppt mit einer erfreulichen Menge eigener Akzente. So ist etwa Sänger Toschie kein typischer Rock-Shouter, sondern bringt seine Erfahrung aus Power-Popbands ein. Eingerahmt von Intro und Outro, die höchst stimmungsvoll und melancholisch ausfallen, entfalten sich diverse kraftvolle Rocker, denen der Einsatz von Hammond und Mellotron etwas Märchenhaftes verleiht. Profunder Rock mit Seele.

5
13.04.2010, Henning Richter
6
Durchschnittliche Leserwertung

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