Reviews
Saint Lu
Saint Lu
Warner
An der kurzen Leine
Als Heilsbringerin des Rock’n’Roll wird die junge Österreicherin derzeit ins Rampenlicht gezerrt und mit allerhand Superlativen dekoriert, die hellhörig machen: Led Zeppelin, Janis Joplin, Aretha Franklin und Jimi Hendrix sollen unüberhörbar Einfluss auf die Musik von Saint Lu genommen haben. Das mag live auch so sein.
Auf ihrer ersten Albumproduktion streckt sich die Dame mit der quäkenden Stimme zwischen Duffy und Anastacia hingegen so sehr nach der Hörerschaft von Mainstream-Radiosendern wie SWR 3, dass Soul und Rhythm’n’Blues als traditionsbewusste Grundlage ihres Tuns arg ausdünnen. ›Love Song‹, der peppige Opener ›Don’t Miss Your Own Life‹ oder das verwegene ›Ankle-Biter‹ (alle mit markanten Crunch-Sounds der Stratocaster ausgestattet) haben Schmiss und Charme und unterhalten kurzweilig.
Dem übrigen Material jedoch haftet eine Unentschlossenheit an, die den markanten Unterschied zu den großen Rock-Ladys mit Blues-Rock- und Soul-Faible offenbart. Sass Jordan, Shannon Curfman, Dana Fuchs oder Joanne Shaw Taylor sind eben doch andere Autoritätskaliber, wenn es um Authentizität, Seelenwärme und den Mut geht, sich dann und wann auch mal ordentlich im Dreck zu suhlen. Ein sauberes, von Patrick Mayer (Wir sind Helden) produziertes Rock-Album fürs Pop-Publikum, von dem man sich gewünscht hätte, die Sängerin und ihre Mietmusiker wären stärker von der Leine gelassen worden.
Outloud
Outloud
Frontiers Records
Überholmanöver auf der Nebenroute
So konsequent majestätisch und aufregend wie die Griechen Firewind hat in den vergangenen Jahren kaum eine neue Metal-Band begeistert. Nun hat Keyboarder und Gitarrist Bob Katsionis mit Schlagzeuger Mark Goss ein Nebenprojekt aus dem Boden gestampft und liefert auf dem Debüt vergleichbar starke Qualität. Für Outloud scheinen sie die Ideen abgeschöpft zu haben, die stilistisch nicht ganz die Härtegrade der Dio-, Tad-Morose- und Masterplan-Verbindung ihrer Hauptcombo erreichen. Das Resultat überzeugt in der Schnittmenge aus Firewind, Adriangale, weniger kitschigen Stryper und Talon — dessen zweiter Sänger Chandler Mogel nun auch auf Outloud triumphiert: Der Mann hat sich seit Fallen Angels stimmlich mehrfach selber überholt und ist als Hardrock-Vokalist mindestens auf Kehlkopfhöhe mit Danny Vaughan. Ein frisches Hardrock-/Melodic-Rock-Album mit tollen Songs, knackiger Gitarrenarbeit und einer herausragenden Produktion. Anspieltipps: ›Search For Truth‹ und die Hymne ›We Run‹. Wenn’s hier nicht funkt, bitte den Doktor aufsuchen.
Blanc Faces
Falling From The Moon
Frontiers Records
Im Koordinatennetz der Brillanz
Mit ihrem selbstbetitelten Debüt glückte den Brüdern Robbie und Brian La Blanc 2005 aus dem Stand die stärkste AOR-Veröffentlichung seit dem meisterlichen Zweitwerk von Pride Of Lions. Der Nachfolger ist nicht ganz so stark geworden — obwohl Falling From The Moon noch immer zu zwei Dritteln aus für dieses Genre ungewöhnlich hochwertiger Musik mit den Koordinaten Survivor, Foreigner und weit abgelegen auch Cher besteht. (Robbies Timbre klingt ganz latent nach der Dame.) Brillant produziert.
Lynch Mob
Smoke & Mirrors
Frontiers Records
Legenden leben länger
Ein starkes Album wie dieses hatte wohl selbst der zweckoptimistischste Anhänger von George Lynch dem einstigen Kult-Klampfer nicht mehr zugetraut. Zu lieblos, schwer genießbar und zerfahren waren dessen letzten kreativen Ergüsse abseits des Lautenbauens — und substantiell nicht im Ansatz vergleichbar mit den Glanztaten, die der Mega-Gitarrist in den Achtzigern mit Dokken und in den frühen Neunzigern mit den famosen Lynch Mob zustandegebracht hatte. Mittlerweile hat er diese Band reaktiviert und in Sänger Oni Logan ein weiteres Originalmitglied an Board genommen, das den typischen Lynch-Mob-Sound ebenso stark geprägt hat wie des Zupfgeigers prägnante Saitensprünge.
In Smoke & Mirrors ist der Kapelle ein vielschichtiges Classic-Rock-Werk mit ganz unverkennbarer Mob-Atmosphäre gelungen, das sich prächtig in einer Reihe neben Wicked Sensation (1990) und Lynch Mob (1992) in der Sammlung macht, den Geist dieser Klassiker aber nicht verzweifelt zu reproduzieren versucht. So finden sich neben Glanzstücken wie ›Where Do You Sleep At Night‹ (hätte schon gut auf das legendäre Debüt gepasst) mehrere extrem gut funktionierende Überraschungen: Der Titelsong und ›Lucky Man‹ zum Beispiel, die beide haarscharf an Südstaaten-Territorium vorbeischrammen. Ein wunderbares, verdammt starkes Comeback!
Girlschool
Legacy
Wacken Records
Ohne Bremsen aufm Speedway
Studiowerk Nummer elf der taffen Ladies zwischen Hardrock, Punk und Metal überzeugt als ihre wohl ausgereifteste Kreation. Dampframmen-Rocker wie der Öffner ›Everything’s The Same‹ rasen volle Kanne vorwärts ohne Bremspedal. Ganz andere Akzente setzen der modern gefärbte Wutbolzen ›Whole New World‹ oder das schwermetallische ›I Spy‹ in zwei Editionen: Die Bonusfassung singt Ronnie James Dio. Die getragene Mid-Tempo-Nummer ›Legend‹ ist eine Hommage an die verstorbene Gitarristin Kelly Johnson und kommt auf dem Girlschool-Speedway einer Ballade noch am nächsten. Legacy teilt tierisch aus mit Augenzwinkern: Den Schlussakkord hinterm rotzigen ›Don’t Talk To Me‹ setzt Lemmy am Mikro, Bass — und an der Triangel.
Subject ESQ.
Subject ESQ.
Ohrwaschl Records
Hippies auf dem Höhepunkt
Deutschen Krautrock-Bands wird oft nachgesagt, ihre Musik wirke kopflastig oder akademisch-verquirlt. Die Antithese dazu findet sich bei den Münchenern Subject ESQ., die 1972 einen vielschichtig instrumentierten Prog-Sound kreierten, der Innovation mit Feeling fusioniert und unerwartete Wendungen nimmt. Schon allein ›Alone‹ belegt das: Hammond, Bläser, fette Gitarren, ein für deutsche Verhältnisse brillanter Gesang und dann — ein Break, bei dem die Musiker in akustischer Hippie-Glückseligkeit schwelgen. Balladeskes (›Giantania‹), Rockiges (›5:13‹) und schließlich der Höhepunkt: das über zwölfminütige ›Mammon‹ mit ungewöhnlichen Harmonien, rasanten Tempowechseln und aufregenden Soli. Nachdem sich Subject ESQ. aufgelöst hatten, fanden sich fast alle Musiker bei Sahara wieder, einer Formation, die noch zwei tolle Platten einspielen sollte.
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Neue Kommentare
Jetzt im Handel: ROCKS Heft Nr. 28 (03/2012)
Jaaaa, das war ein Hammerheft, liebe RCOKS-Schreiberlinge! Ich bin aus dem Sabbern gar nicht mehr raus gekommen: Frank Marino&Mahogany; Rush, ein Hammond-B3-Special und den Hinweis auf Southern Brotherhood( der Name könnte doch recht schnell in die Irre führen!), außerdem die Hammer-CD, ein fantastischer Bericht zu The Cult, dann noch Gotthard...! Wahnsinn, was ich schon wieder bestellt habe??? Gruß aus Rock City Siegen
Von rockpanther,07.05.2012
ROCKS Ausgabe 28 (03/2012) mit CD
Eine eher durchschnittliche CD, meine ich. Außer "Hattiesburg Hustle" keine angenehme Überraschung (und das "Hattiesburg Hustle" gut ist, war ja eigentlich zu erwarten) . Dennoch insgesamt hörenswert. Eindeutig besser war jedoch die vorherige CD mit den überragenden Pothead. Solange die CD einen Misch von Altbewährtem und neuen Anregungen bietet, ist sie jedoch immer sehr willkommen. Auch setzt sie sich zumeist von anderen Heft - CDs ab. Wie ihr das hinbekommt, ist mir schleierhaft, also Hut ab.
Von Der große Wirsing,06.05.2012
ROCKS Ausgabe 28 (03/2012) mit CD
eine gute cd. highlights für mich: OSI, emerson, lake & palmer, royal southern brotherhood, walter trout und warren haynes. bangalore choir ist für mich der negativtrack auf der cd. und die so hoch gelobten h.e.a.t haben auch für meinen geschmack ein heißes lüftchen namens breaking the silence abgeliefert. enttäuschend. hm... h.e.a.t - breaking the silence? wieso muss ich da gleich an spinal tap - break like the wind denken? ^
Von wintermaerz,03.05.2012
ROCKS Ausgabe 28 (03/2012) mit CD
Insgesamt wieder eine sehr gute CD, nur von Walter Trout hätte ich einen aneren Song genommen, Loneley gehört eher zu den schwächeren Stücken auf dem Album. Gotthard, Howlin Rain, Warren Haynes, HEAT und Royal Southern Brotherhood sind für mich am stärksten, OSI gefällt mir immer besser. Und Mad Max klingt wirklich verblüffend nach Dokken
Von Midnight Rambler,27.04.2012