Features
Silverhead: 16 And Savaged (1973)
Für das Publikum der Glam-Rock-Welt sind sie zu vulgär, für die Anhänger neuer Hardrock-Helden wie Led Zep nicht hart genug. Silverhead nehmen in den frühen Siebzigern den Sleaze vorweg: Als Gegenstück zu den New York Dolls und Aerosmith, die in den USA gerade in Angriffsposition gehen.
Silverhead
16 And Savaged
(1973)
Auch wenn Silverhead wegen ihres Make-ups und anderen Accessoires gerne in die Glam-Kiste einsortiert werden: Musikalisch beschreibt sie das nur unzureichend. Schon ihr Debüt wirkt vielmehr wie eine einzige berauschte Boogie-Party auf dem harten Tanzboden des Rhythm’n’Blues: Initiiert von Humble Pie und mit verhaltensauffälligen Gästen wie den Rolling Stones, Mark Bolan, Alice Cooper und auch Foghat. Dass der Sound dieser freakigen Promenadenmischung dennoch fest zusammenhält und eigene Konturen offenbart, verdanken Silverhead keineswegs nur ihrem schillernden, sexbesessenen Rampengott Michael Des Barres. Diese Band kann höllisch gut spielen: Aus der Instrumentalabteilung stechen immer wieder famose Gitarrensoli und lebhafte Bassläufe heraus, die nicht selten an Andy Fraser erinnern.
Auf 16 And Savaged leben die partyfreudigen Rock’n’Roll-Schwerenöter ihre Exzesse ohne Scham unbekümmert weiter. Schlüpfrig-anzügliche Songtitel sorgen auf diesem Zweitwerk für Stürme der Entrüstung — und stellen die Gruppe vor neue Herausforderungen: Für das meist jugendliche Publikum der Glam-Rock- und Glitzer-Welt sind Silverhead zu vulgär, verrucht und rotzig, für die Anhänger neuer Hardrock-Helden wie Led Zeppelin nicht hart genug. Als Gegenstück zu den New York Dolls und Aerosmith, die in den USA gerade in Angriffsposition gehen, nehmen Silverhead hier den Sleaze der Achtziger vorweg und überzeugen musikalisch mit erheblich mehr Biss und Härte als auf dem Einstand. Slide-Gitarrist Robbie Blunt (später bei Robert Plant) ermöglicht an der Seite von Klampfer Rod Davies ausgeklügeltere Arrangements (›Heavy Hammer‹).
Dass in ›More Than Your Mouth Can Hold‹ zu Beginn ›Street Fighting Man‹ von den Stones zitiert wird, verrät eine ganze Menge über den Klangcharakter dieser famosen Scheibe. Der Boogie-Rocker ›Bright Light‹ vereint wundersam die Lässigkeit der Faces mit der walzenden Schwere des Zeppelins — und noch stärker als auf dem Erstling ist in diesem wildgewordenen Klangkonglomerat die Nähe zu Humble Pie um den dauerelektrisierten Steve Marriott zu hören: Michael Des Barres klang nie besser als auf diesem unverdient vergessenen Juwel des Siebziger-Rock. (Daniel Böhm)
Mehr zu Silverhead gibt’s im Feature der Ausgabe 04/2010!

Rockhead
27.03.2011
12:37 Uhr
Nicht zu Unrecht Theme im “Album der Woche”. Kerniger Abgeh-Rock, der leider in Vergessenheit geraten ist!
glamster
28.03.2011
11:54 Uhr
sensationelle Band! Sensationelle Platte!!
rawhead2
13.04.2011
21:36 Uhr
Und die erste Scheibe ist mindestens genauso geil !!!
Rainer
25.04.2011
16:21 Uhr
Michael Des Barres war ein unglaublicher Frontmann und er ist bis heute ein ziemlich guter Sänger geblieben. Schade, dass er nur noch so selten in Erscheinung tritt. Auch seine Sachen mit Detective sind geil, aber Silverhead waren schon eine ganz andere Hausnummer.
franjo
07.05.2011
03:47 Uhr
“Famose Soli”, die Band könne “höllisch gut spielen”? Nun ‘mal ein bisschen ruhig mit den jungen Pferden: Silverhead waren eine lustige Rumpelkapelle, die in der Tat in Richtung Faces oder Humble Pie gehen- allerdings hatten sie keinen Rod Stewart oder Steve Marriott und auch keinen “Natural Born Boogie” oder “Ooh LaLa”. Auch deshalb könnte der Vergleich zum Sleazerock stimmen - wobei ich allerdings wirklich dufte Sleaze-Nummern kenne.
Wenn wir bei der Abteilung sind: “Smokin`” von Humble Pie ist eine wirklich heiss brodelnde, pulsende Scheibe, die aus meiner Sicht wert wäre, gefeatured zu werden.
Ich weiss nicht, wie tief ROCKS sich im Kontext Twang/Rockabilly sieht, ist aber auch egal: die erste Brian Setzer Soloscheibe “The Knife Feels Like Justice” hatte fast zu einer Fatwa unter alten Fans gegen Setzer geführt: der Gretsch-Grossmeitser fährt Americana, TexMexi-ges, Motown und schön fast surfigen Twang ab. Ich kann mich nachwievor des gehässigen Gedankens nicht erwehren, daß es schön wäre, wenn manche Springsteen-Platte auch so deutlich als Gitarrenmusik erkennbar wäre… ach aj, der ist ja bei euch durchaus öfter Gast… na denn!
Rainer
07.05.2011
08:57 Uhr
Aber hallo hatten die Silverhead instrumental was drauf und eine “Rumpelkapelle” waren sie ganz ganz sicher nicht, das wird ihnen nicht im geringsten gerecht!!! Wobei man wahrscheinlich auch zwischen live und Album unterscheiden muss, denn live haben die sich schon ziemlich zugedröhnt… Michael des Barres war ein phantastischer, charismatischer Sänger. Silverhead hatten keinen Steve Marriott? Da sage ich doch mal: NIEMAND hat überhaupt einen Steve Marriott. Den gab’s nur ein einziges Mal.
franjo
08.05.2011
00:24 Uhr
Keine Aufregung… es ist nur Musik ![]()
Gruss
Franjo
rockhead
25.06.2011
10:32 Uhr
Die Woche ist aber langsam auch mal vorüber ...
Roadie Girl
15.12.2011
22:12 Uhr
Einige spannende Neuigkeiten aus Silverhead ... Sie werden nach Tokio im April nächsten Jahres werden wieder für ein paar Reunion-Konzerte. Sehen Sie sich ihre offiziellen Facebook-Seite. http://www.facebook.com/theoriginalSilverhead
