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Common Ground (2010)

Feature (23.08.2010, 11:15 Uhr von Daniel Böhm) - 1 Kommentare


Zuletzt konnte man sich des Eindrucks nicht ganz erwehren, die künstlerische Relevanz des Bluesrockers habe sich immer stärker in den Live-Sektor verlagert. Ein Irrtum: Trout wirkt heuer wie ausgewechselt.

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Walter Trout
Common Ground

Was an den Saiten klebt, ist Blut

Nicht dass Walter Trout im letzten Drittel seiner über drei Dekaden andauernden Karriere ins musikalisch Bodenlose gestürzt wäre. Trotzdem konnte man sich zuletzt des Eindrucks nicht ganz erwehren, die Autorität und künstlerische Relevanz des ehemaligen Gitarristen von John Lee Hooker, Canned Heat und John Mayall habe sich immer stärker in den Live-Sektor verlagert. Nach dem tollen Go The Distance (2001) jedenfalls schien für ihn die traditionelle Bluesrock-Wiese endgültig abgegrast. Seine letzte reguläre LP mit neuen Stücken (The Outsider von 2008) wirkte schließlich wie pflichtbewusstes Herunterleiern konservativen Genre-Vokabulars.
Davon ist der 59-jährige Amerikaner auf Common Ground so weit entfernt wie nie zuvor in seiner Karriere. Seine neuen Lieder speist er mit energischem Rhythm’n’Blues (›Common Ground‹), viel lebendigem Soul und hier und dort ein bisschen Country — mit dem schmucken Ergebnis, dass sich fast überall Spuren der Allman Brothers deutlich heraushören lassen. Verwegen nimmt einen das funkige ›Excess Baggage‹ mit seinem furiosen Gitarrensolo gefangen, betören Orgel und ›Voodoo Chile‹-Querverweise im lässigen ›No Regrets‹.
Primär sind es aber die ruhigeren Augenblicke wie im traumhaften ›Open Book‹, ›Her Other Man‹ oder ›Song For My Guitar‹, die einem die Sprache verschlagen und immer wieder kurz daran zweifeln lassen, dass dies hier tatsächlich dieselbe Band sein soll wie vor zwei Jahren? Aber sie ist es — mit dem Unterschied, dass Klavier und Orgel dieses Mal nur von John Cleary gespielt werden.
Trouts blutvolles Gitarrenspiel hat an Esprit und Zwischentönen erheblich hinzugewonnen, und auch als Sänger wirkt er wie ausgetauscht und ist ausdrucksstärker denn je. Das ist klar ein Verdienst von Produzent Jon Porter (B.B. King, Buddy Guy, Taj Mahal), der hart mit seinen Schützlingen gearbeitet und für einen räumlichen, angenehm organischen Sound gesorgt hat. Common Ground geriet zu einem heuer schwer einholbaren Highlight. Eine riesige Überraschung!

Daniel Böhm


Einen Song von Common Ground präsentieren wir auf der CD der neuen Heft-Ausgabe ROCKS 05/2010. Ein aktuelles Interview mit dem Meister findet sich im gleichen Heft!

1 Kommentare
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Roland Münch
03.09.2010
12:10 Uhr

Die letzten Alben haben mich nicht wirklich begeistern können, aber Common Ground ist endlich mal wieder ein ganz tolles Album geworden, das auch dem Klassiker-Ruf von Walter Trout mal wieder gerecht werden kann. Das Album ist ganz weit vorne, dieses Jahr!

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